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Unser Konzept der Jungen- und Männerberatung zur Ansicht und zum Download 

 

Jungen- und Männerarbeit

Echte Männer reden. ist zur Marke des SKM für die Jungen- und Männerarbeit geworden. Diese werden wir nun weiter ausbauen und planen die vielfältigen Inhalte dann als eigene Marke weiter bekannt zu machen. Im Sommer 2020 werden wir unsere Inhalte auf einer neuen Internetpräsenz darstellen.

Bis dahin finden Sie die Informationen und verschiedenen Formate zur Jungen- und Männerarbeit weiterhin hier:

Echte Männer reden.

Echte Männer reden. Der Blog

Echte Männer reden. Der Podcast

Echte Männer reden. – Beratungsstellen

Unsere Berater und Beratungsstellen in NRW finden Sie unter:

www.echte-maenner-reden.de

Interview

 

„Der Männerberater hat mir mein Menschsein zurückgegeben“

Mehrmals wurde Herr H., 44 Jahre alt, von seiner Frau verprügelt. Mitten in der Corona-Krise spitzt sich die Situation zu: Der Mann muss sein Zuhause verlassen, schläft im Auto, verzweifelt. Erst der Männerberater Manfred Höges aus dem Netzwerk „Echte Männer reden.“ hilft ihm, sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Männerberater Manfred Höges im Gespräch mit Herrn H.

Männerberater Manfred Höges im Gespräch mit Herrn H.

SKM In welcher Situation haben Sie gesteckt, als Sie sich an die Männerberatung gewandt haben?

Herr H. Ich hatte ungefähr eine Woche im Auto geschlafen. Ich fühlte mich wie ein Penner: Ich konnte nicht duschen. Ich musste zu einer Raststätte fahren, um auf Toilette zu gehen. Ich hatte Rückenschmerzen, Hunger und den Glauben an die Gerechtigkeit verloren. Es ist erschreckend, wie schnell das geht.
Sie müssen wissen: Ich bin Flugbegleiter in leitender Position. Ich stehe in gestärktem Hemd und Uniform im Flugzeug. Ich habe ein Kind, ein Haus, stehe mitten im Leben. Ich habe Fußball gespielt. Aus diesem Leben bin ich von heute auf morgen herausgerissen worden. Meine Frau hatte die Polizei gerufen – wegen häuslicher Gewalt! Dabei war sie diejenige, die mich geschlagen hat. Die Polizei glaubte ihr zwar nicht, bat mich aber das Haus für zehn Tage freiwillig zu verlassen – damit sich die Wogen glätten.
Da stand ich nun mitten in der Corona-Krise: Zu meinen Eltern konnte ich nicht, Hotels hatten geschlossen. Also habe ich im Auto geschlafen und kannte nur noch Wut. Immerhin konnte ich nach einer Woche zumindest sporadisch bei einem Freund unterkommen. Zwischendurch war ich immer wieder im Auto.

SKM Und dann trat der Männerberater in Ihr Leben, Manfred Höges aus Düsseldorf.

Herr H. Der konnte mich am Telefon zunächst nicht verstehen, weil ich nur geweint habe. Dann hat er geredet, erstens: Sie sind nicht wertlos! Zweitens: Sie sind immer noch ein Mensch! Drittens: Sie sind kein Penner! Und das Wort Penner will ich auch nicht mehr hören.
Der Männerberater hat mir konkrete Handlungsanweisungen gegeben: Sie müssen jetzt aktiv werden. Sie müssen die Opferrolle verlassen. Gehen Sie zur Polizei, erstatten Sie Anzeige. Gehen Sie zum Jugendamt, Sie dürfen Ihren Sohn sehen. Gehen Sie zum Arzt. Der Männerberater hat mir mein Menschsein Stück für Stück am Telefon zurückgegeben.

SKM Wie sind Sie auf die Männerberatung gestoßen?

Herr H. Es ist nicht leicht: Egal, wo Sie anrufen: Niemand ist für einen Mann als Opfer zuständig. Ich habe im Internet selbst nach Hilfe gesucht. Es gibt viele Angebote für Frauen, aber nichts für Männer – außer beim SKM. Als mich der Männerberater zurückrief, konnte ich zum ersten Mal sagen: Ich bin ein Mann, aber kein Täter. Ich bin derjenige, der geschlagen und zu Hause rausgeschmissen worden ist.
Für mich war es dabei nicht wichtig, dass der Berater ein Mann ist, sondern dass jemand mich als Mann mit meinen Problemen wahrnimmt. Die Männerberater stärken dich: Du als Mann kannst Schwäche zeigen, du als Mann kannst weinen. Du als Mann bist nicht weniger Mann, nur weil du Hilfe brauchst.

SKM Wie konnte der Männerberater beim SKM konkret helfen?

Herr H. Ich bin zur Polizei gegangen und habe eine Anzeige gegen meine Frau erstattet. Ich bin zum Jugendamt gegangen und konnte noch am gleichen Tag meinen Sohn sehen. Nach 30 Tagen ohne festes Obdach durfte ich im April nach einer schnellen Anhörung vor Gericht wieder nach Hause zurückkehren. Ohne den Männerberater hätte ich weiter wie eine eingeschüchterte Maus in der Ecke gesessen und gewartet, bis etwas passiert. Mit seiner Hilfe bin ich aktiv geworden; allein hätte ich das nicht geschafft. Rückblickend denke ich: All diese Schritte sind doch logisch. Aber wenn Sie mitten in der Krise stecken, sehen Sie das Offensichtliche nicht.

SKM Denken Sie manchmal: Warum habe ich mir nicht früher Hilfe geholt?

Herr H. Ja, absolut! Ich hätte viel früher aktiv werden müssen. Sechsmal bin ich in 15 Jahren Ehe verprügelt worden. Ich habe niemals die Polizei gerufen. Erstens: Ich habe mich geschämt. Was soll ich den Leuten erklären? Meine Frau, der ich körperlich überlegen bin, schlägt mich? Und zweitens: Was sollen die Nachbarn denken, wenn die Polizei in unserer Straße steht?

SKM Was würden Sie Männern raten, die in einer ähnlichen Situation stecken?

Herr H. Sich Hilfe zu holen. Ich sage es klipp und klar: Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich diese Hilfe nicht gehabt hätte. Jetzt, nur einige Wochen später, klingt meine Situation unglaublich. Aber in dieser Krise war das Unglaubliche normal. Die Wut und die Verzweiflung richten den Blick in eine bestimmte Richtung und es ist schwer, ihn wieder in eine neutrale Zone zu lenken. Aber der Männerberater hat mich immer wieder angerufen, mich nie im Stich gelassen. Und jedes Mal, wenn ich mit ihm gesprochen habe, flackerte für mich am Ende des Tunnels ein kleines Licht auf.
Deswegen gebe ich dieses Interview: Wenn es dazu führt, dass ein Mann sich Hilfe sucht, ohne das Gefühl zu haben, er werde dadurch unmännlicher, dann ist viel erreicht.

Herr H. ist 44 Jahre alt und lebt bei Düsseldorf. Betreut wurde er von Manfred Höges in Düsseldorf, einem von 20 Männer- und Krisenberatern im Netzwerk „Echte Männer reden.“
Herr H. ist mit seiner Erfahrung nicht allein: Männer werden regelmäßig Opfer häuslicher Gewalt. Im Jahr 2017 waren 19,5 Prozent der 140.000 dokumentierten Opfer häuslicher Gewalt Männer (Quelle: Partnerschaftsgewalt – kriminalstatistische Auswertung 2018, Bundeskriminalamt). Männer schämen sich, wenn sie Opfer werden: Sie suchen sich deutlich seltener Hilfe als Frauen.